Wenn die Hexe schießt

Letzte Woche war es mal wieder soweit. Am Mittwoch morgen kam ich gestresst in der Box an. Ich hatte eine Stunde verschlafen und meinen 6Uhr Termin versetzt. Kein guter Start in den Tag. Ich beschloss die Zeit bis zum nächsten Termin zu nutzen und mein eigenes Training zu absolvieren. Noch während ich in die Trainingsklamotte schlüpfte war ich in einen dieser sinnlosen Whatsapp-Diskussionen involviert. Es ging um meinen Sohn und irgendwelche Schwierigkeiten, die meine Lebensgefährtin mit ihm hatte. Für mich ein weiterer Stressfaktor. Es stand Kreuzheben auf dem Programm und das Verhängnis nahm spätestens dann seinen Lauf, als ich ohne jedes Warm-Up direkt an die Hantel ging. Noch während meiner ersten Sets schrieb ich weiter Whatsapp Nachrichten und war entsprechend nicht bei der Sache. Mittlerweile saß mir auch noch die Zeit im Nacken und so sprang ich in meinen Warm-Up Sets von 60 auf 100 und direkt auf 140kg. Beim zweiten Heben der 140 durchfuhr mich ein heftiger Schmerz im unteren Rücken und ich war gezwungen die Hantel unmittelbar fallen zu lassen. Schöne Scheiße. Ich kannte diesen Schmerz. Vor 3 Jahren hatte ich schon einmal das Vergnügen. Der Schmerz ist von einer Art, die einen zwingt, sich zunächst mal gar nicht mehr zu bewegen. Ich legte mich umständlich auf den Boden und vollzog eine erste Schadensanalyse. Keine ausstrahlenden Schmerzen in die Arme oder Beine, keine Taubheitsgefühle, der Schmerz großflächig im sogenannten Lumbarbereich, also dem unteren Rücken. Kein Zweifel – die Hexe hatte einen Volltreffer gelandet.

 

Was genau ist also geschehen? Laut Wikipedia ist die Ursache des “Hexenschuss” eine “Muskelverhärtung nach ruckartiger oder ungeschickter Bewegung oder nach falschen oder überhöhten Belastungen(…)”. Letztlich begreife ich den Hexenschuss sogar als eine Art Schutzmaßnahme des Körpers, denn die sich plötzlich übermäßig kontrahierende Muskulatur bewahrt einen u.U. vor ernsthaften strukturellen Verletzungen der Bandscheiben. Trotzdem handelt es sich um einen – mit Verlaub – beschissenen Schmerz und die allermeisten, die ihn zum ersten Mal erleiden, brechen direkt in Panik aus. 

 

Was ist nun zu tun? Meine allererste Reaktion war es, mir ein Schmerzmittel zu verabreichen, um die unmittelbar einsetzende “Versteifung” zu minimieren. Die erste Schockreaktion nämlich ist es zumeist sich nicht mehr zu bewegen, also so gar nicht mehr und dies halte ich für grundsätzlich falsch und die Situation noch deutlich verschlimmernd. Im weiteren Verlauf können helfen Wärme, ggf. manuelle Therapie, Massagen und vor allem: Bewegung, Bewegung, Bewegung. Zumeist lindern sich die Beschwerden von Tag zu Tag und recht bald sind Belastungen, die den Schmerz nicht auslösen oder verstärken, schon nach kurzer Zeit wieder möglich und auch sinnvoll. Vorbeugend sollte nach Abklingen der Symptome ein Funktionstest der Rumpfmuskulatur erfolgen, sowie entsprechende Kräftigungsübungen ins Training integriert werden. Trotzdem kann es aus den unterschiedlichsten Gründen jederzeit wieder dazu kommen, dass die Hexe einen erwischt. Ein adäquates Warm-Up allerdings ist wohl grundsätzlich eine gute Idee… In diesem Sinne – nicht verrückt machen, die Hexe schießt nur Gummigeschosse;-)

 

Sport frei,

 

Coach Nico

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