Survival of the fittest – warum CrossFit meines Erachtens nach das ideale Fitnessprogramm ist

In der Trainingslehre unterscheidet man zwischen General Physical Preparation (GPP) und Specific Physical Preparation (SPP). Gemeint sind hier die grundsätzliche körperliche Vorbereitung auf sportliche Aktivitäten, sowie die spezifische, u.a. auch technische Vorbereitung auf einen bestimmten Sport. CrossFit im Allgemeinen ist ein sehr effektives Trainingssystem zur Entwicklung einer guten GPP, d.h. ein CrossFitter wird tendenziell gut in der Lage sein, in anderen Sportarten Fuß zu fassen, sei es technisch/koordinativ oder auch hinsichtlich der rein physischen Anforderungen. Innerhalb des CrossFit Systems wird sogar die Ausübung anderer Sportarten explizit empfohlen (Obwohl CrossFit selbst aufgrund seiner vielfältigen Anforderungen kaum als „Sport“ bezeichnet werden kann, aber das ist ein anderes kontroverses, jedoch eigentlich völlig überflüssiges Thema 🙂 ).

CrossFit besteht im Wesentlichen aus folgenden Disziplinen: Turnen, Olympischem Gewichtheben, allgemeines Krafttraining und Powerlifting, sowie Elementen aus der Leichtathletik und verschiedenen Ausdauersportarten. CrossFit ist im Grunde alles. CrossFit ist eine anspruchsvolle Angelegenheit und mit gelegentlichen Besuchen in einer Box ist CrossFit nicht zu erlernen. Es braucht regelmäßiges Üben, um die hohen technischen Anforderungen z.B. des olympischen Gewichthebens zu erfassen und regelmäßiges Training um stärker, schneller und ausdauernder zu werden.

CrossFit funktioniert auch nur mittelprächtig ohne die passende Ernährung. Wer seinen Körper 3-4x / Woche intensiv fordert, ihn aber nicht mit den notwendigen Nährstoffen versorgt, wird nur reduzierten Erfolg haben. Dabei ist diese Sache gar nicht kompliziert und im Großen und Ganzen in 5 Minuten Lesezeit zu begreifen, z.B. HIER .

Und dann gibt es noch den Sport CrossFit. Wenn ich hierüber spreche, dann meine ich Athleten, die an Wettkämpfen teilnehmen. Die Anforderungen selbst auf regionalen Veranstaltungen sind hier mittlerweile derart hoch, dass die Vorbereitung auf ein solches Event das gesonderte Üben und Trainieren spezifischer Sportarten erforderlich ist. Wettkampf-CrossFitter müssen olympisches Gewichtheben nahezu wie ein Gewichtheber und Turnen nahezu wie ein Turner trainieren. Außerdem müssen sie ihren Körper gezielt auf die hohen metabolen Anforderungen vorbereiten und deshalb jede Menge cardiovaskuläres Training betreiben. Das Trainingspensum eines ambitionierten CrossFitters umfasst nicht selten mehr als 15 Stunden Training pro Woche. Das ist eine Menge und i.d.R. nur Menschen möglich, die beruflich im Sport unterwegs sind oder eben einfach mörderehrgeizig, zielstrebig und organisationsbegabt sind. Kann man mit 3x wöchentlich 60 Minuten CrossFit ein Rich Froning werden? Sicherlich nicht. Kann man mit dem gleichen Aufwand einen gesunden, schönen und leistungsfähigen Körper und einen ebenso leistungsfähigen und belastbaren Geist erreichen – ganz sicher ja!

CrossFit wird ständig populärer. Neulich war ich irgendwo mal am Fernsehen (nach mehr als 10 Jahren ohne Fernseher blicke ich in der deutschen Fernsehlandschaft überhaupt nicht mehr durch) und plötzlich lief da ein Werbespot für irgendwelche Fitness-Käse-Produkte und das Setting des Films war tatsächlich eine CrossFit Box. Immer dann wenn eine Sache populär wird, tauchen sehr zuverlässig auch bald die Kritiker auf. Sicherlich gibt es Dinge am CrossFit zu kritisieren. Wie auch an so ziemlich jeder anderen Sache. Mir fällt spontan nichts vom Menschen geschaffene ein, welches vorbehaltslos positiv und perfekt ist. Jedoch habe ich nach fast 19 Jahren in der Fitnesswelt noch nichts gefunden, dass mehr Kriterien einer guten Sache erfüllt:

  1. CrossFit bringt so viele Menschen zur sportlichen Bewegung wie lange nichts mehr in der Fitnessindustrie.
  2. CrossFit fördert Gruppendynamik und hält damit auch überdurchschnittlich viele Menschen in der sportlichen Bewegung.
  3. CrossFit umfasst nahezu ausschließlich funktionale Übungen und hat deshalb einen effizienten Nutzen für den Alltag. Wer ein erhebliches Gewicht mehrfach vom Boden zur Schulter bringen kann (Power Clean), der bricht sich keinen ab, wenn die Einkaufstüten mal ein bisschen schwerer ausfallen oder das Kind im Arm während eines Spaziergangs und 15 Minuten vom Zielort entfernt beschließt einzuschlafen und man es den Rest des Weges tragen darf.
  4. CrossFit entwickelt alle Energiesysteme des Körpers. Ein CrossFitter ist ohne Probleme in der Lage 5km in mehr als akzeptablem Tempo zu laufen, er kann sicherlich 40km wandern (aufgrund seiner Trainingsgewohnheiten ist seine Schmerztoleranz ziemlich hoch und er wird deshalb bestimmt auch mit den Blasen an den Füßen ganz gut fertig 😉 ) und auch ein Sprint zum Bus bringt ihn nicht aus der Fassung.
  5. Das Risiko einseitiger Belastungen mit allen Konsequenzen (entsprechende nachteilige Anpassungen des Bewegungsapparats z.B. Verkürzungen, frühzeitige Abnutzungen durch die Ausführung einer immer gleichen Bewegung in hoher Häufigkeit z.B. Tennis) durch die Ausübung eines spezifischen Sports ist im CrossFit ebenfalls deutlich geringer, aufgrund der Vielseitigkeit und des Abwechslungsreichtums im CrossFit Training.

Das Wichtigste aber ist aus meiner Sicht, dass die „Alltagstauglichkeit“ des CrossFit Trainings so vielseitig ist, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, dass CrossFit die Möglichkeit bietet am Leben in vollen Zügen teilzunehmen. Unser Körper trägt uns egal wo hin und seine Beschaffenheit, sowie die ebenfalls durch CrossFit „gestählte“ mentale Verfassung entscheiden, ob wir bereit sind, uns ins Abenteuer zu stürzen, die Gewissheit habend, dass unser „Rüstzeug“ intakt ist und wir uns auf das „Gefährt unserer Seele“ verlassen können. In diesem Sinne – wir sehen uns in der Box!

 

Sport frei, Coach Nico

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